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Der Bocksbeutel

BocksbeutelWer kennt ihn nicht, den Bocksbeutel – eine Jahrtausend alte Flaschenform – für den Frankenweintrinker eine Weltanschauung.

Als Flachkugelflasche aus Ton taucht der Bocksbeutel in einem keltischen Grabfund aus dem Jahre 1.400 vor Christus auf. Seine Vorläufer begleiten uns durch die ganze Weltgeschichte, bis er dann in Franken endgültig heimisch wird. Als Bouteille setzten sich die platten Glasgefäße seit dem 15. Jahrhundert für die Abfüllung von Weinen durch. Seine heutige Form zeigt sich auch in den Gefäßen, die im Weinkeller August des Starken (1670-1733) gefunden wurden.

Urkundlich ist diese Flasche das erste Mal durch eine Verfügung des Würzburger Stadtrates aus dem Jahre 1728 nachweisbar. Darin heißt es: Zur „Steuerung allenfalls Handelsmissbräuche" sind Steinweine des Jahrganges 1718 in Flaschen von einem Maß zu füllen und zur Garantie für Echtheit und vollen Genuss mit dem Stadtsiegel zu versehen. Die Bocksbeutelflasche war zu dieser Zeit in Würzburg als Abfüllmaß ganz selbstverständlich. Die Flasche bedurfte also lediglich der Versiegelung und wurde damit amtlich (zunächst) zur „Steinweinflasche" und zu einem absoluten Qualitätsbegriff für Franken. Diese Verfügung bedeutet die Grundlage des fränkischen Bocksbeutelprivilegs.

Viel wurde auch schon über die Herkunft des Namens gerätselt.

Da ist zunächst die Fama, die sie in die Zeit der Klostergründungen in Franken verweist, als – im 7. Jahrhundert – die weinbautreibenden Benediktinerinnen in Ochsenfurt und Kitzingen, wie die Überlieferung wissen will, statt der Gebetsbuchtaschen weingefüllte „Booksbüdel" (Buchbeutel) bei sich getragen haben sollen. Auch von „Buggesbüdel" (Bugges = Buchsbaum), also Flaschen aus Buchsbaumholz, ist die Rede. Da man Bocksbeutel aus diesem Holz bisher nicht gefunden hat, sie also nicht sehr gebräuchlich gewesen sein können, hat man auch diese Version nicht ernst genommen. Ebenso erschien die Ableitung von nicht ausreichend begründet. Bleibt nur noch eine Auslegung, zu der sich heute das Gros der Sachverständigen bekennt, obgleich auch sie nicht exakt nachweisbar, wohl aber sehr überzeugend untermauert ist.

Und die wäre:

Capri sacculus, zu deutsch „Beutel des Bocks". Warum so zimperlich, um die plausibelste Erklärung zu negieren, nämlich die etwas derbe Deutung des Namens „Bocksbeutel". Die Ähnlichkeit mit dem tierischen Körperteil ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Was liegt näher, als den Beutel des Bockes zum Paten zu machen, zumal der Ziegenbock als lüsterner Traubennascher schon seit alter zeit symbolisch mit dem Wein in Zusammenhang gebracht wird.

Auf jeden Fall klingen diese Erklärungen einleuchtender als der Bocksbeuten im „Juristendeutsch". Da heißt es nämlich: der Bocksbeutel ist eine „kurzhalsige, bauchig-runde, etwas abgeflachte Glasflasche mit ellipsoider Standfläche und mit ellipsoidem Querschnitt an der größten Wölbung des Flaschenkörpers, bei denen das Verhältnis von Hauptachse zu Nebenachse des ellipsoiden Querschnitts annähernd 2 : 1 und das Verhältnis von Höhe des gewölbten Flaschenkörpers zum zylindrischen Flaschenhals annähernd 2,5 : 1 beträgt".

Sei es wie es mag, nur Qualitäts- und Prädikatsweine (keine Tafelweine) dürfen in Bocksbeutel abgefüllt werden.

Ein Bocksbeutelwein aus Franken garantiert damit höchsten Trinkgenuss.

 

Der Dätscher

Bäcker Walter Emmert mit Dätsscher / Foto Stadt Hammelburg / J. VoglerSelbstverständlich haben die Franken nicht vergessen, dass zum guten Tropfen stets ein kulinarischer Leckerbissen gehört. Eine fast unscheinbare, aber nicht wegzudenkende kleine Besonderheit reicht man seit alters her zum Hammelburger Wein: den Dätscher! Ein dreieckiges Gebäckteil aus dunklem Roggen-Brotteig, bestreut mit grobem Salz und Kümmel. Entstanden ist der Dätscher eher aus einer Not heraus, wollte man doch früher die Teigreste beim Brotbacken keinesfalls verschwenden. Vielmehr „dätschte" man die Reste mit der Hand in Form und nutzte die Resthitze im Ofen zum Backen.

Noch heute gehört der Dätscher in jeder Heckenwirtschaft und bei jedem Weinfest zum festen Angebot. Brot ist übrigens immer ein zuverlässiger Begleiter zum Wein, noch dazu, wenn es sich um eine Weinprobe handelt. Er beruhigt und neutralisiert die Geschmacksknospen und lässt so den nächsten Wein am Gaumen neu entfalten.